Personenbezogenen Daten werden heutzutage in großer Zahl von vielen Stellen erhoben, gespeichert und verarbeitet. Vor allem für die Werbeindustrie sind die genauen Adressen und Telefonnummern von Interesse, möglichst angereichert durch Einkaufsgewohnheiten, persönliches Umfeld und Finanzsituation. Dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugeht, zeigen die zahlreichen Medienberichte über die Datenskandale der Jahre 2008 und 2009.
Die Adressen werden von der Werbeindustrie fast ohne jede Beschränkung gespeichert und weiterverkauft, es entsteht ein sehr enges Netz aus Sammlern, Verkäufern und Nutzern von Adressdaten. Der betroffene Bürger, dessen Adresse in diesem Pool gehandelt und genutzt wird, hat nur wenig Chancen, dieses Netz zu überblicken oder gar zu zerschlagen. Teilweise ist es sogar unmöglich, wenigstens die Quelle einer einmal in diesen Pool gefallenen Adresse zu emitteln.
Das derzeit geltende Bundesdatenschutzgesetz ist sehr einseitig zu Gunsten der Werbeindustrie ausgelegt und läßt den Werbern große Freiheiten für der Nutzung der Daten offen. Der Bürger hat dagegen nur sehr wenige Möglichkeiten, ausreichende Auskünfte von der Werbeindustrie zu bekommen, um damit die Nutzung der eigenen Adresse durch Dritte einzuschränken oder nachzuvollziehen zu können.
Wird dann tatsächlich einmal von dem Recht auf Auskünfte über die gespeicherten Daten Gebrauch gemacht, kann erlebt werden, wie zum Teil Anfragen auch ignoriert, Datenschutzgesetze missachtet oder die Betroffenen getäuscht werden. Alle Anfragen bleiben jedoch unkoordinierte Einzelaktionen, nach denen zwar der Einzelne vielleicht in Erfahrung bringen konnte, welche Wege seine Adressdaten genommen haben. Das große Ganze aber, die Vernetzung der Werbewirtschaft untereinander bleibt nach wie vor verborgen. Eine systematische Zusammenfassung und Auswertung der Datensammelwut findet nicht statt.
Genau hier möchte das Projekt Datenspuren des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF e.V.) ansetzen. In dem Projekt werden Antworten auf Datenschutzanfragen gesammelt und ausgewertet. Auf diese Art und Weise entsteht ein Bild, welches die vielfältigen Verpflechtungen innerhalb der Datensammelindustrie erstmals aufdecken kann. Zusatzlich entsteht eine Datenbank, mit der für jeden Bürger einsehbar ist, wie die Firmen mit dem Datenschutz umgehen, ob sie z.B. Anfragen korrekt und innerhalb angemessener Zeit beantworten oder es vorziehen, berechtigte Anfragen zu ignorieren oder Informationen vorzuenthalten.
Weitere erste Informationen über das Projekt finden sich auf den folgenden Seiten: